Die Fernsehbilder sollen künftig übers Internet geliefert werden - und die Telekommunikationsanbieter wollen auch Programme verkaufen. Dazu hat nicht nur die Deutsche Telekom Milliardeninvestitionen angekündigt. Andere Anbieter wie Hansenet klagen, dass der Platzhirsch die Infrastruktur blockiert.
Die Deutsche Telekom plant eine Milliarden-Investition in den Neubau eines Breitband-Glasfasernetzes, das Übertragungen bis zu 50 Megabit pro Sekunde ermöglichen soll. Über die Einführung von TV-Diensten über die leistungsfähige VDSL-Technik hat sich der Konzern bereits mit Microsoft auf eine Zusammenarbeit verständigt.
Anderen Telekommunikationsunternehmen legt der Platzhirsch dagegen Stöcke in den Weg: So will Hansenet spätestens im Juni IP-TV über ein eigenes Glasfasernetz verfügen. Dafür benötige sie jedoch Zugang zu bestehenden, aber unbenutzten Rohren der Telekom, was diese ablehne, sagt Hansenet-Pressesprecher Carsten Nillies. Die Telekom beharrt darauf, das geplante Glasfaserkabelnetz für einige Jahre unter Ausschluss der Konkurrenz zu nutzen - aus Gründen der "Investitionssicherheit", wie Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg sagt.
Dürfen auch andere Telekom-Infrastruktur nutzen?
Das Bonner Unternehmen kann bei seiner Forderung, sein im Aufbau befindliches neues Glasfasernetz zumindest teilweise von Auflagen freizustellen, momentan noch auf die Rückendeckung der Bundesregierung zählen. Sowohl im Koalitionsvertrag als auch im Entwurf für ein neues Telekommunikationsgesetz sind entsprechende Klauseln enthalten.
Doch EU-Wettbewerbskommissarin Nellie Kroes sieht in einem solchen Verzicht auf Regulierung einen Verstoß gegen EU-Recht. Knackpunkt der Diskussion ist die Frage, ob es sich bei dem Aufbau eines Glasfasernetzes rechtlich um einen sogenannten Neuen Markt handelt. Davon könne in diesem Fall aber keine Rede sein, sagt Wolfgang Heer vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). Die Telekom erneuere zwar ihre Leistungstechnologie, aber "ganz neue Produkte oder Möglichkeiten werden nicht geboten". Darüber hinaus investierten auch schon andere Wettbewerber Milliarden in neue Netze, ohne dass eine Freistellung von Regulierungen beantragt wurde, mahnt der Experte für Telekommunikationsrecht.
"Wir sind nicht die einzigen"
Nach Meinung der Telekom hingegen handelt es sich bei dem Streit um die Mitbenutzung von Lehrrohren um ein Scheingefecht. "Es wird so getan, als sei die Telekom nun für alles verantwortlich. Dabei sind wir nicht die einzigen, die Kabelschächte betreiben", klagt Nierwetberg. Andere Telefonnetzbetreiber sollten seiner Ansicht nach genauso herangezogen werden. Ebenso wenig Verständnis könne er für die Forderung nach kostenloser Nutzung der bestehenden Leitungen aufbringen. Ob die Telekom die Nutzung gegen Bezahlung erlauben werde, wollte er "zum jetzigen Zeitpunkt" noch nicht sagen.
Kooperation erforderlich
Hansenet verlangt dagegen das Recht, die Lehrrohre - nicht die Leitungen - des Konkurrenten nutzen zu dürfen, um eigene Kabel verlegen zu können. "Wir bauen und brauchen unser eigenes VDSL-Netz. Gemeinsame Investitionen mit der Telekom schließen wir deshalb aus", sagt Nillies. Deshalb ist Hansenet bereits bei der Bundesnetzagentur, der zuständigen Regulierungsbehörde, vorstellig geworden. Auf eine offizielle Beschwerde habe der Hamburger Telefon- und Internetanbieter bislang allerdings verzichtet, teilte Behördensprecher Rudolf Boll mit.
Startschuss im Sommer
Bis Mitte des Jahres will die Deutsche Telekom laut Nierwetberg die ersten zehn Städte an das Breitbandnetz bringen - unter anderem Hamburg und Berlin, wo auch die Hansenet aktiv ist. Im Anschluss wolle man bis Ende 2007 rund fünfzig Städte mit dem Highspeednetz ausrüsten. Nierwetberg rechnet mit Kosten von rund 3,3 Milliarden Euro. Doch zunächst warte man auf ein Signal vom Regulierer, ob diese Investitionen geschützt seien.
Auch Hansenet erwartet den baldigen Start des IP-TV. Anbieten will das Unternehmen laut Nillies dann rund 100 Programme, davon die Hälfte Bezahlkanäle. Die Telekom will ab August eine ähnliche Programmzahl offerieren - gebuhlt werden wird also künftig auch um die Sender und Produktionsfirmen, die entsprechende Programminhalte zur Verfügung stellen.
Du kannst Beiträge in dieses Forum schreiben. Du kannst auf Beiträge in diesem Forum antworten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.